Häusliches Pillen-Schlucken verschmutzt Gewässer

Foto: Wikimedia CC/GNU 1.2/RayNata

Wir „Pillenfresser“ sind schuld: Medikamenten-Rückstände, die in deutsche Gewässer und in die Umwelt gelangen, stammen nach einer jetzt vorgelegten neuen Studie zum überwiegenden Teil aus Privathaushalten, nicht aus Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Das schreiben Nachhaltigkeitswissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg Ärzte des Ortenau Klinikums in Offenburg in der Zeitschrift Environment International.

Drei Jahre lang analysierten die Wissenschaftler den Ge- und Verbrauch von Medikamenten. Ihre Studie zeigt Medikamentenverbrauchsdaten eines Krankenhauses, einer psychiatrischen Klinik und eines Pflegeheimes in Südwestdeutschland. Auf Basis der so ermittelten Verbrauchsmuster identifizierten die Forscher 50 häufig verabreichte Substanzen, die generell eine besondere Relevanz für den Abwassereintrag haben. Die Patienten scheiden die Wirkstoffe teils unverändert aus. So gelangen diese ins Abwasser und später in Flüsse und Seen.

 

Bis zu 2.500 Mal mehr Medizin zuhause als in Kliniken verbraucht

 

Klares Ergebnis dieser Untersuchung: „Privathaushalte sind für die Mehrheit der ins Abwasser eingeleiteten Medikamentenrückstände verantwortlich.“ Die Wissenschaftler belegen mit ihren Daten „für die überwiegende Zahl der untersuchten Substanzen im nationalen Vergleich einen deutlich höheren durchschnittlichen Verbrauch – und daraus abgeleitet eine höhere Emission – durch Privathaushalte als durch Einrichtungen des Gesundheitswesens“.

Die Zahlen: Zuhause nutzen die Menschen Medikamente, die den Verdauungstrakt oder das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, bis 500 Mal häufiger als in Kliniken. „In psychiatrischen Kliniken beläuft sich der Unterschied sogar bis auf den Faktor 2.500. Selbst der Verbrauch von Schmerzmitteln durch Krankenhäuser macht nur einen relativ kleinen Anteil am Gesamtverbrauch aus“, konstatieren die Forscher.

 

Jürgen Sulzbacher