Hersteller-Betrug: Elektrogeräte sind Stromfresser

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Nicht nur bei Autos beschummeln Hersteller ihre Kunden: Auch jedes fünfte Haushaltsgerät verbraucht mehr Energie als die Produzenten versprechen – zum Schaden der Nutzer, der Umwelt und des Klimas. Das fanden jetzt Tester des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in Berlin heraus.

18 von 100 getesteten Produkten halten nach Angaben des vzbv die EU-Effizienzvorgaben nicht ein. Gemeinsam mit Kollegen aus anderen EU-Nationen und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatten die Verbraucherschützer europaweit im Rahmen des Projekts „MarktChecker“ 20 Haushaltsgerätegruppen wie Kühlschränke, Lampen und Staubsauger untersucht - mit vernichtendem Ergebnis für die Hersteller: „Die Stichprobe macht deutlich, dass viele Hersteller gesetzliche Vorgaben zum Energieverbrauch missachten oder umgehen“, ziehen die Verbraucherschützer ihr Fazit aus der Untersuchung. Einige Geräte übertseigen demnach den angegebenen Energieverbrauch um satte 30 Prozent.

 

Elektrogeräte-Schummelei: Nutzer verlieren europaweit jährlich über 10 Mia. Euro

 

Den Schwarzen Peter halten nach Ansicht der Tester vor allen die privaten Haushalte auf dem Kontinent in der Hand. Den Schaden durch nichtkonforme Produkte oder falsche Kennzeichnung nämlich tragen die Käufer und Nutzer der falsch deklarierten Geräte. vzbv und BUND berechnen, dass ihnen „Jahr für Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an möglichen Einsparungen verloren“ gehen. „Durch die schrittweise Umsetzung der Ökodesign-Standards und der EU-Energieverbrauchskennzeichnung könnte jeder Haushalt in der EU ab 2020 jährlich durchschnittlich 465 Euro Stromkosten sparen“, sagt dazu BUND-Energieexperte Robert Pörschmann. Voraussetzung wäre, dass Haushaltsprodukte mindestens die Effizienz erreichten, mit der die Hersteller werben. „Die Verbraucher werden sonst an der Nase herumgeführt, Geld und Energie werden unnötig vergeudet und das Klima wird belastet“, so Pörschmann.

 

Vernetzung von Geräten: WLAN als Stromfresser entlarvt

 

Dass unnötiger Stand-by-Betrieb den Stromverbrauch in die Höhe treibt ist dabei inzwischen vielen bekannt. Als neue, oft noch unentdeckte Stromfresser entlarven die Verbraucherschützer nun jedoch das WLAN. „Bei drei getesteten Digitalradios war der Standby-Verbrauch doppelt bis dreifach so hoch wie erlaubt. Bei einem vernetzten Wasserkocher zum Kaufpreis von 130 Euro war es nicht möglich, das WLAN auszuschalten“, berichten die Tester.

 

Gerd Pfitzenmaier